Piratengedöns

Einblicke in das Leben einer Piratin

Im Paralleluniversum

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#avnds – diese so unschuldig daherkommenden Buchstaben stehen für eine Reise in eine andere Welt. Dies trifft aber nicht nur auf die Aufstellungsversammlung der Niedersachsen in Wolfenbüttel zu, sondern nach meinem Empfinden für alle Parteitage oder sonstigen Piratentreffen.

Man begibt sich für einige Stunden oder Tage an einen Ort, der völlig isoliert zu sein scheint von der Welt, in der wir leben. Die Umwelt spielt keine Rolle mehr und die Zeit läuft anders. Was zählt, ist das Erreichen des jeweils vereinbarten Ziels, sei es das Aufstellen einer Liste für eine Landtagswahl oder das Beschließen von Programmanträgen oder die Einigung über die Verteilung von Geldern. Und über allem stehen die piratigen Ideale von Basisdemokratie und Transparenz.

Diese Ideale werden teilweise erbittert mit Blut und Tränen verteidigt. Und so kommt es, dass mitunter länger über die Art und Weise, wie man ein Ziel erreicht, diskutiert wird, als dann der Prozess an sich benötigt. Aber das ist genau das, was uns ausmacht: Wir wollen jeden mitnehmen und eine Beteiligung an politischen Prozessen ermöglichen. Und deshalb halten wir so sehr an diesen Idealen fest und werden auch weiterhin für sie kämpfen – auch wenn dieser Kampf mitunter recht schmerzhaft und vor allem langwierig ist.

Für Außenstehende ist der Meinungsfindungsprozess der Piraten sicher nur schwer nachzuvollziehen. Dies zeigen Medienberichte zur #avnds. Da wird von „Unfähigkeit“ und „Dilletantismus“ geredet und geschrieben. Dieses Urteil müssen wir hinnehmen. Selbst im Familien- und Freundeskreis kann ich nicht immer vermitteln, warum so ein Piratenwochenende trotzdem erfolgreich war.

Und das war es: Wir haben gestritten und diskutiert – aber am Ende ein Ergebnis erzielt, ohne unsere Ideale aufzugeben. Und das ist all der Schmerz wert.

Ich gebe zu: Als die Versammlung geschlossen wurde, wollte ich nur noch weg. Einpacken und losfahren. Und dann parkst du das Auto in deiner Straße, trittst in die Nachtluft und atmest tief durch. Gefühlt warst du eine Woche fort, hast die Welt verändert und die Menschen mit ihr. Und dann stellst du fest: Nein, die Welt ist noch genauso wie vorher, die Zeit hat sich nicht schneller oder langsamer gedreht, der Großteil der Menschen tickt noch immer gleich.

Nur du, du warst in einer anderen Welt, in einer anderen Zeit – in einem Paralleluniversum.

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